Islonor

Kurzgeschichten aus einer anderen Welt

— von der Eroberung des Drachenbergs —

Langsam schauter er sich um, alles war so fremd und irgendwie blass.
Er stand auf einer Fläche von gelb-grünem Gras so weit das Auge reichte. Blinzelnd versuchte er in der Ferne etwas auszumachen, waren dort Berge? Mit Gewissheit konnte er es nicht sagen.

Was sollte er nun tun? Ganz ohne Vorräte und den Rest seiner Gesandschaft, mit der er aus Traganta aufgebrochen war, bestand keine große Hoffnung dieser weiten Steppe zu entkommen. Erst jetzt bemerkte er, dass weder Durst noch Hunger an ihm nagten und er war weder müde noch anderweitig erschöpft.
Grübelnd machte er schließlich ein paar Schritte in die Richtung, wo er meinte die Berge gesehen zu haben. Doch nach drei Schritten blieb er wieder stehen, während ihm der Unterkiefer nach unten fiel.
Urplötzlich ragten die Berge riesengroß vor ihm auf, als wäre er Tagelang gereist. Ungläubig musterte er das Gebirge von seinen Wurzeln bis zu den leicht wolkenbehangenen Gipfeln, doch außer nacktem Fels gab es nicht zu sehen. Weiterlesen

— von der Eroberung des Drachenbergs. —

Erst war es nur ein Flimmern in der Luft, eine leichte Vibration. Nicht wahrnehmbar für einen Menschen. Die Tiere im Wald jedoch spürten sehr wohl das nahende Unheil. Sie suchten das Weite und eine gespenstische Stille legte sich über die wenigen Bäume, die den Namen Wald nicht unbedingt verdienten. Vereinzelt knackte ein Ast, andernorts schabten schlecht geölte Rüstungsteile aneinander. Seufzen, ein schweres Atmen, mehr war nicht zu hören. Weiterlesen

— vom Leben auf der Eisdornenburg. —

Sidur wurde an der Schulter gepackt und unsanft wachgerüttelt. Eine Männerstimme rief: ,,Los! Aufstehen!” Er machte kurz die Augen auf. Noch war es dunkel im großen Schlafsaal. Und kalt. Und die Luft war getränkt mit nächtlichen Körpergerüchen. Es gab auch nur wenige schmale Fenster im Raum. Der Mann, der durch die Reihen ging und jeden mit einem Schubser und ,,Los! Aufstehen!” weckte, hatte eine Fackel dabei, die ein wenig Licht spendete. Doch im Moment war sie zu hell. Sidur drehte den Kopf zur Wand, sodass er nicht so sehr geblendet wurde. Am liebsten würde er sich umdrehen, die Augen wieder schließen und schlafen, doch er wusste, dass das nicht zählte. Es half nichts, er musste aufstehen. Weiterlesen

— aus den Erzählungen des Rosshor, aufgeschrieben von einem Unbekannten, bewahrt in der Grubenbibliothek des Weißen Waldes —

Ich schaute nach vorne und sah nur eine weite weiße Fläche. Ab und zu ragte ein einzelner toter Baum heraus, dessen kahle Zweige sich unter dem Gewicht des Schnees bogen und abzubrechen drohten. Andere Wesen sah ich keine und keine Spuren, die auf Leben hinwiesen. Die Schneeschicht war zu tief.

Beharrlich und zitternd stapfte ich weiter und mein Stiefel versank erneut im Tiefschnee. Immer schwerer wurde es ihn wieder hinauszuziehen. In dicke Felle gewickelt war ich nun schon drei Wochen unterwegs und mein Nahrungsvorrat ging zur Neige. Noch eine getrocknete Winterbeere hatte ich bei mir. Den ganzen Tag mühte ich mich Schritt um Schritt weiter und suchte dabei einen geschützten Fleck, an dem ich die Nacht verbringen kann. Doch seit einigen Stunden sah ich weit und breit keinen Schutz, nicht mal einen Hügel. Alles war flach.

Es war bereits Nachmittag und angesichts der ungeschützten Ebene fing ich immer früh an, gezielt Ausschau zu halten. Und ich betete, wie jeden Tag zu Raucaas, unserem Gott. Weiterlesen